Wilde Hexe

Wildkräuter

Text aus dem Magazin SERVUS im August 2012

von Elisabeth Ruckser

Alles, was wild ist

Das richtige G’spür ist eine der wichtigsten Zutaten, die Brigitte Pachler braucht, wenn sie sich auf die Suche nach all den Blättern und Blüten macht, die sie in ihren Kräuter-Kreationen verarbeitet.

„In der Früh, da weckt mich jeden Tag ein Vogerl!“ Da zwischtert’s beim Fenster herein, und dann macht sich die Brigitte auf; zum ersten Spaziergang durch die unvergleichliche Gegend hier in den südsteirischen Weinbergen. „Das ist meine tägliche ganz persönliche Begegnung mit der Natur, das ist sehr wichtig für mich.“ Dann geht sie los, genießt, schaut, spürt. Und sammelt all das, was später zusammen mit ein paar anderen Zutaten zum Beispiel zur „Wilden Wiese“ im Glas wird.

Wie selbstverständlich lässt sie sich dabei auf der täglichen Runde von ihrem Gefühl leiten. Einmal zieht es sie dann mehr in die Mur-Auen, ein anderes Mal zu der alten Streuobstwiese hinter den Weinbergen bei ihrem alten Kellerstöckl, oder in den Wald zu ihren versteckten Lieblingsplatzerln, auf denen wächst, was die Brigitte sorgsam in einen Korb packt und wie einen Schatz nach Hause trägt: wilder Kerbel, Giersch oder Wicke, Mohnblumen, Margeriten, wilder Kohl, auch „Kohlkratzdistel“ genannt, oder die wunderschöne violette Flockenblume. „Intuition ist dabei ganz wesentlich“, sagt sie, denn die bringt sie dorthin, wo’s grad richtig ist.

Liebe Elisabeth, vielen Dank für Dein Interesse und die herzlichen Gespräche!

Ihre Geschichte als „Wilde Hexe“ – unter diesem Markennamen produziert Brigitte Pachler vom Gelee über Marmelade bis zu Senf, Kräuterpaste oder auch Blütenseife und Badesalz so ziemlich alles – begann mit der Erinnerung an die Küche ihrer Großmutter und das Wissen ihres Vaters über Schwammerln, Pilze oder Kräuter. „Der Papa hat mir das alles gezeigt – und die Oma hat einfach immer aus allem etwas gemacht, das wunderbar geschmeckt hat.“ Mittlerweile hat Brigitte zusätzlich auch eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin absolviert und produziert ihre eigene kleine, feine Produkt-Linie.

Das allererste Produkt, das die „Wilde Hexe“ im Rahmen einer mittlerweile sehr gewachsenen Palette hergestellt hat, ist ihr heute noch eines ihrer liebsten. Die „Wilde Wiese“, eine Mischung aus Kräutern, Käse, Öl und Kernen. Ganz wichtig sei ihr dabei die Verwendung von Produkten aus der Gegend – und da gibt es reichlich Auswahl: vom Sonnenblumen- oder Traubenkernöl über den steirischen Asmonte-Käse (eine Art Parmesan) bis hin zu Kürbiskernen, Nüssen und der Butter von der Krogger-Bäuerin im Obersteirischen. Die feine, grüne Kräuterpaste eignet sich nämlich nicht nur als „Draufgabe“ für Nudeln und Pastas: In die Bauernbutter gemischt wird daraus etwa auch wunderbare Kräuterbutter.

Außerdem hält Brigitte Pachler auch noch spezielle (Koch-)Kurse für alle, die genau wissen wollen, was man denn mit Kräutern so alles anstellen kann. Und Tipps für den richtigen Umgang mit den wilden Köstlichkeiten hat sie allemal parat. Wiesenkräuter, so empfiehlt sie, solle man etwa nie in den Kühlschrank stellen. Viel besser lassen sie sich, ähnlich wie Pilze, unter einem feuchten Tuch am kühlsten Platz im Haus aufbewahren. Und auch ins Wasser stellen ist keine gute Idee: „Wildkräuter enthalten sehr viele wasserlösliche Inhaltsstoffe, und die würden dadurch verloren gehen!“